Langfristiger Leistungsaufbau

„Eine einheitliche Trainingsphilosophie von der Grundausbildung bis zum Hochleistungstraining ist notwendig, um Spitzenleistungen zu erzielen.“

Der langfristige Leistungsaufbau ist ein zielgerichteter Entwicklungsprozess der sportlichen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft vom Beginn eines leistungssportlichen Trainings bis zum Erreichen sportlicher Spitzenleistungen (Schnabel, Harre, Krug, 2008). Dieser Prozess umfasst im Short Track und Eisschnelllauf einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren vom Einstieg in die allgemeine Grundausbildung bis zum Hochleistungstraining.

Leistungs- und Wettkampfstruktur

Die Leistungsstrukturen der Sportarten Short Track und Eisschnelllauf weisen trotz der unterschiedlichen Wettkampf­formen viele Gemeinsamkeiten auf. Durch die kleine Abdruckfläche und hohe Geschwindigkeiten sind Technik und Koordination von großer Bedeutung. Auch die Anforderungen hinsichtlich der konditionellen Fähigkeiten sind im Nachwuchsbereich vergleichbar. Vor allem die statische und dynamische Kraftausdauer der Beinstreckmuskulatur ist hier zu nennen. Die Schnellkraft beeinflusst die Beschleunigungsfähigkeit, was sie besonders im Short Track und den Sprintdisziplinen im Eisschnelllauf zu einem entscheidenden Faktor macht. Um den Geschwindigkeitsabfall in den Rennen gering zu halten, spielt darüber hinaus eine gut ausgebildete Ausdauerfähigkeit eine maßgebliche Rolle. Es gibt Altersbereiche, in denen sich bestimmte motorische Fähigkeiten besonders gut trainieren lassen. Das heißt aber nicht, dass sie in den anderen Zeiträumen nicht mehr trainiert werden sollen. Die Abbildung stellt die empfohlene Betonung einzelner Trainingsinhalte, bezogen auf Alter und Ausbildungsetappe dar. Die Ausdauer hat im Training der Ausdauersportarten Eisschnelllauf und Short Track immer einen großen Stellenwert. In der AGA entwickelt sie sich parallel durch vielseitiges Training. Der Anteil an gezieltem Ausdauertraining nimmt erst im Verlauf des langfristigen Leistungsaufbaus an Bedeutung zu. Beweglichkeit und Koordination sowie das Schnelligkeitstraining stehen dagegen schon zu Beginn des Nachwuchstrainings be son ders im Fokus. Krafttraining kommt in jeder Ausbildungsetappe ganz­jährig zum Einsatz. Die Intensität und der Anteil in der Gesamttrainingszeit vergrößern sich mit zunehmendem Alter.

Die Wettkämpfe im Nachwuchsbereich überprüfen und kontrollieren den Ausbildungsstand der Kinder. Sie wirken bei richtigem Einsatz motivierend und helfen bei der Ausprägung von Ehrgeiz und Siegeswillen. Jedoch sollten Wett­kampfleistungen in jungen Jahren nicht überbewertet werden. Ein unterschiedlicher biologischer Entwicklungsstand beeinflusst oft die Ergebnisse. Wettkämpfe in der allgemeinen Grundausbildung und im Grundlagentraining sind kei­ne reduzierten Erwachsenenwett kämpfe. Die Inhalte prüfen das ab, was wir in den verschiedenen Trainingsetappen trainieren wollen. Die Abbildung zeigt eine sinnvolle Akzentuierung der einzelnen motorischen Fähigkeiten in den Etappen des Nachwuchstrainings in Kombination mit der aktuellen Wettkampfstruktur der DESG.

Trainingsmethodische Kennziffern

Die trainingsmethodischen Kennziffern der Altersklassen wurden auf der Basis ausgewählter Trainingsdaten der Bundesstützpunkte über einen Zeitraum von zehn Jahren erstellt. Trainingsdauer aller Trainingsmittel, Kilometerangaben und die Anzahl der Trainingseinheiten pro Woche flossen in die Berechnungen ein. Für alle Altersklassen fand eine verstärkte Konzentration auf die technische Ausbildung mit den Trainingsmitteln Eis­-Technik, Short Track und Imitation Beachtung. Für den Altersklassenbereich 11­-13 gibt es zu­künftig Empfehlungen in Form von Stunden für die einzelnen Trainings mittel sowie von Anzahl durchschnittlich durch zu führender Trainings­einheiten pro Woche. Entscheidend für das Umsetzen der zukünftigen Trainingskennziffern sind neben dem Aus­bildungsstand, dem aktuellen Trainingsalter und dem Leistungsstand des Sportlers auch die unterschiedlichen Bedingungen an den einzelnen Trainingsstandorten. Die Zielvor­gaben sind nicht als Dogma zu betrachten. Viel mehr sind sie ein Angebot für das trainings­methodische Vorgehen bei der Ausprägung von Spitzenleistungen im Jugend­ und Juniorenalter. Dieses muss auf die individuellen Gegebenheiten angepasst werden. Durch die trainingsmethodischen Kennziffern wird für den Nachwuchsbereich eine Orientierung zu einer kontinuierlichen und sinnvollen Belastungs­steigerung bis zum Ende des Juniorenbereichs gegeben. Die trainingsmethodischen Kennziffern sind als Gemeinschaftswerk der Fachgruppe Eisschnelll­auf des IAT und der DESG entstanden. Sie wurden im Kreise der Nachwuchsverantwortlichen besprochen und durch die Trainerkommission bestätigt. Die Zielgrößen sind Rahmenvorgaben und darauf ausgerichtet, Voraussetzung für das Hochleistungstraining zu schaffen. Eine hohe Belastungsverträglichkeit muss gesichert werden, um sportliche Höchstleistungen zu erzielen. 

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